Der Hamburger Jugendserver

St. Pauli

Von Tensa7 und Double-G

(Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
 

St. Pauli ist die Gegend der Kriminellen, der Armen und der Wohlhabenden, der Junkies und der Prostituierten. St. Pauli ist meine Hood, ist das wahre Leben. Hier ist immer was los, egal an welchem Tag. Jeder kennt jeden, und hier zu wohnen, heißt, immer was zu erleben. Auf den Straßen ist immer Party, es ist dort unbeschreiblich einmalig. Zentral, nah am Hafen, wenn man mal Luft holen will - man kommt überall schnell hin, sogar zu Fuß. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich wollte nie irgendwo anders hin, denn ich habe mich hier immer wohl gefühlt. Kannte fast jeden hier – die Leute, die Straßen, jeden einzelnen Laden. Meistens grüßt man jeden Zweiten, trinkt einen Tee, raucht eine Zigarette - ein bisschen wie Familie. Alle halten zusammen, egal, um was es geht, man ist füreinander da. Man hilft seinen Nachbarn gerne, Einkäufe oder Möbel tragen - egal, was es ist, es wird einem irgendwann wieder zurückgegeben. Wenn man noch nicht weiß, was man heute machen will, muss man nur ein paar Straßen abklappern und schon trifft man einen Freund, mit dem man was unternehmen kann. Das Leben hier wird nie langweilig. Man fühlt sich fast unnormal wohl hier. Die meisten Leute auf St. Pauli sind viel entspannter als anderswo, es herrscht eine andere Atmosphäre.

Seitdem ich ein kleines Kind war, bin ich immer ins „Haus der Jugend“ gegangen, dort habe ich eigentlich fast meine ganze Jugend verbracht. Nach der Schule bin ich da immer hingegangen und habe dort Nachhilfe in Deutsch gemacht. Sport, Tischtennis, ab und zu mal Boxtraining. Viele soziale Sachen werden dort angeboten, hier habe ich vieles gelernt und habe immer Hilfe bekommen. Sie haben dort immer ein offenes Ohr für jemanden, und wenn man Probleme hat, kann man hier abschalten und seine Sorgen verarbeiten. Ich habe sehr viel erlebt - viel Negatives, aber eigentlich mehr Positives, aber das hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin.

Mit dem „Haus der Jugend“ haben wir in den Ferien auch viele Ausflüge gemacht. Auch als ich älter wurde, bin ich immer noch ab und zu dort hingegangen, weil ich die Betreuer alle sehr mag. Die älteren Jugendlichen in meiner Gegend haben mich mit zum Boxen in die Turnhalle genommen – das hat mich zum Sportmachen inspiriert.

Wenn der FC St. Pauli spielt, sind die Straßen unnormal voll, alle haben gute Laune, überall Musik, und alle trinken Astra Rakete. Am Wochenende sind die Bars voll, es gibt Saure, jeder will feiern. Auf den Straßen sitzen die Leute in Gruppen, gute Stimmung, man trifft fremde Menschen, redet mit ihnen über alles, was nicht Blabla ist.

In St. Pauli leben reiche und arme Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammen. Ob Rocker oder Geschäftsmann – hier ist es kunterbunt, und das macht St. Pauli aus.

 


Die Klarnamen der Verfasser sind durch Pseudonyme ersetzt. | Bildnachweis: Gasse auf St. Pauli mit Blick auf den Hafen © boysen/AdobeStock

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