Nur Konsum oder auch Verantwortung?

Rein wirtschaftlich betrachtet ist der Konsum für uns als Industrieland von maßgeblicher Bedeutung. Aber woher kommen unsere alltäglichen Güter eigentlich? Und zu welchen Bedingungen werden sie produziert?

Diese Frage muss sich im Kontext der Nachhaltigkeit immer wieder gestellt werden. Nachhaltigkeit sollte mehr als nur die einseitige Betrachtung des ökologischen Aspektes umfassen und auch die ökonomischen und sozialen Komponenten wie die Arbeitsbedingungen der Menschen in den Produktionsländern und deren Vergütung betrachten.

 

 

Und diese sind oftmals nicht angemessen bzw. menschenwürdig. Der Preisdruck ist so immens, dass viele Menschen weit unter Mindestlohn arbeiten. Leider hört es dabei aber noch nicht auf. Lange Arbeitszeiten, keinerlei Brandschutzvorkehrungen, kein bis minimaler Gesundheitsschutz oder Kinderarbeit zeigen die schlechten Zustände immer wieder auf.

 

Weiterführende Informationen findest du hier:

Tod in der Fabrik: der Preis für billige Kleidung | PANORAMA | DAS ERSTE | NDR - YouTube

Gesichter der Armut - Unsere Kleidung aus Bangladesch| Doku - YouTube

Kinderarbeit für Kakao? Die Schokoindustrie stört das nicht | ZDFinfo Doku - YouTube

 

Ein erster Schritt ist seitens Deutschlands aber getan, indem das Lieferkettengesetz nun die Unternehmen in die Pflicht genommen hat, ihren Sorgfaltspflichten nachzukommen. Das Lieferkettengesetz tritt 2023 in Kraft und soll diese Missstände verhindern.

 


 

Das Lieferkettengesetz im Detail:

Das Lieferkettengesetz wurde nach langen Diskussionen und viel Kritik dieses Jahr vom Bundestag beschlossen. Es tritt 2023 in Kraft. Betroffen sind dann Unternehmen, die mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigen (ca. 600 Großbetriebe). 2024 wird das Ganze auf die Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern ausgeweitet (ca. 3000 Unternehmen).

Konkret sind die deutschen Unternehmen nun für ihre Lieferkette verantwortlich und müssen ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. Das umschließt die Einhaltung der Menschen- und Kinderrechte sowie die Achtung geltender Umweltstandards in ihrer gesamten Lieferkette.

Es findet hierfür eine Unterteilung in das Handeln des eigenen Geschäftsbetriebes und der unmittelbaren Zulieferer sowie in das Handeln der mittelbaren Zulieferer statt. Die unmittelbaren Zulieferer sind jene, die das eigene Unternehmen direkt mit der Ware beliefern, die anschließend verkauft wird. Hier muss eine aktive Vorsorge mit verschiedene Maßnahmen getroffen werden:

 

  1. Es müssen Präventionsmaßnahmen im eigenen Unternehmen und bei den unmittelbaren Zulieferern ergriffen werden, welche einer laufenden Kontrolle unterliegen.
  2. Jedes Jahr muss eine Risikoanalyse aller Bereiche des Unternehmens durchgeführt werden. Zudem muss das deutsche Unternehmen Strukturen zur Überwachung einführen.
  3. Kommt es zu Verletzung müssen unverzügliche Abhilfemaßnahmen ergriffen werden, um die Missstände zu beheben. Diese Abhilfemaßnahmen können bis hin zum Abbruch der Geschäftsbeziehung führen, wenn bspw. die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen nicht behoben werden.
  4. Betriebsintern muss ein Beschwerdeverfahren eingerichtet werden, das Verstöße meldet und dadurch schneller Maßnahmen möglich macht.
  5. Es muss ein jährlicher Bericht erstellt werden, der die Erfüllung der jeweiligen Pflichten dokumentiert, der dem Vorstand vorgelegt und veröffentlicht wird. Dieser Bericht muss mindestens sieben Jahre aufbewahrt werden.

Die mittelbaren Zulieferer sind jene, welchen nicht direkt an das deutsche Unternehmen liefern, sondern alle Stationen zwischen der Rohstoffgewinnung und dem unmittelbaren Zulieferer bedienen. Auf diese Betriebe hat das deutsche Unternehmen nur wenige Einflussmöglichkeiten. Daher müssen hier nur anlassbezogene Sorgfaltspflichten umgesetzt werden, wenn es durch Berichte verschiedenster Art Hinweise auf Verstöße gibt. Tritt keine zeitnahe Verbesserung ein, ist auch hier das letzte Mittel der Abbruch der Geschäftsbeziehungen.

 

Quelle:

 


 

Auch wenn das Lieferkettengesetz ein guter Anfang ist, ist es nicht die Lösung für alle Probleme. Die Kompromisse sorgen zwar für kleine Verbesserungen, es muss aber weiter an der Kontrolle und den Sanktionen gearbeitet werden. Es darf sich für Unternehmen unter keinen Umständen lohnen, Menschen auszubeuten und damit hohe Gewinne einzufahren.

Neben den politischen Maßnahmen, kann aber auch jeder einzelne etwas tun und seinen eigenen Konsum hinterfragen. Niemand soll auf alles verzichten, dennoch ist es wichtig, das Kaufverhalten zu überdenken und den persönlichen Verbrauch nachhaltig zu gestalten. Hierfür können folgende Fragen helfen:

  • Was kaufe ich eigentlich und brauche ich wirklich immer alles?
  • Woher kommt das, was ich kaufe?
  • Was esse ich eigentlich am Tag und wo kommt es her?
  • Wie viele Klamotten hängen in meinem Schrank und wie wurden sie produziert?
  • Wie bewege ich mich eigentlich fort?
  • Wo und wie oft mache ich eigentlich Urlaub und wie komme ich dorthin?

 

 

 

Wir haben uns alle an diesen leider sehr verschwenderischen Lebensstil gewöhnt und Veränderungen sind immer schwer. Aber jede und jeder, die sich selbst und ihren Lebensstil hinterfragen, sind ein weiterer kleiner Schritt auf diesem Weg. Solche Entscheidungen führen dazu, dass auch der Bekannten- und Freundeskreis aufmerksam wird und vielleicht selbst ins Nachdenken kommt, wodurch Multiplikatoren entstehen.

Sei auch du ein Teil der Veränderung und leiste deinen individuellen Beitrag für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft. Übernimm die Verantwortung für deinen Konsum.

 

Wenn du dich noch mehr über das Thema informieren möchtest:

 

 

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