Weil ich ein Mädchen bin!

Sei wild und frech und wunderbar!

Kennt ihr vielleicht diesen Textauszug aus dem Song der Band Lucilectric?

Das Lied „MÄDCHEN der Frontsängerin der Band Lucilectric, Luci van Org, war 1994 ganz vorne in den Charts. Luci van Org (damals 23 Jahre jung) war für viele Mädchen und junge Frauen ein großes Vorbild. Alle wollten sein wie sie! Schrill, laut und bunt, aber auch mädchenhaft, attraktiv und aufreizend. Ein kompromissloses Auftreten – ein „Girlie“ mit Charme, so wie es in der damaligen Zeit genannt wurde. Das Mädchen - GIRLIE - war nach außen selbstbewusst und frech und erzeugte Aufsehen mit teils provokantem Charme. Auch wenn der Inhalt des Songs MÄDCHEN und das Frauenbild, dass die damals 23-jährige Sängerin mit ihrem Song darstellt, heute nicht mehr zeitgemäß ist und sie es selbst auch inhaltlich kritisch betrachtet und als veraltet beschreibt (so in einem Interview mit dem Spiegel 2018), so war das Lied eine Sensation und ein kleiner Skandal. Die Sängerin saß auf einer Schaukel und erklärte selbstbewusst und laut, warum sie als Mädchen alles darf. Das fanden alle cool.

Es ging um eine wichtige Botschaft: um Gleichberechtigung und das Recht von Mädchen/Frauen, Dinge auszusprechen, was man ihnen derzeit nicht zuschrieb. Es ging um Selbstbewusstsein, darum, sich den Partner selbst auszusuchen und selbstbestimmt zu handeln sowie um den Stolz, dass es schön ist, ein Mädchen zu sein! Das ist nun schon über 26 Jahre her, aber das Thema der Gleichberechtigung von Mädchen und Jungs, Männern und Frauen gehört noch lange nicht der Vergangenheit an und auch die Forderung danach ist in allen Ländern noch heute sehr groß.
 


Auch viele Bücher unterstreichen, besonders in dieser Zeit, die Forderung nach Akzeptanz und das Selbstverständnis von starken, selbstbewussten und selbstbestimmten  Mädchen. Sogenannte Klassiker mit dem Appell - Mädchen sind mutig und stark und sollen dies auch sein und zeigen dürfen - sind bis heute noch beliebt. Neue gute Buchreihen sind dazugekommen. Die Autorinnen und Autoren wählen als Charaktere starke und mutige Mädchen: von Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter über den Club der Heldinnen, den drei Ausrufezeichen und zuletzt beeindruckende Biographien von mutigen Mädchen und Frauen wie  der Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai.

Schaut man weiter zum Sport, so findet man heute Mädchen z.B. sowohl auf dem Skaterplatz, im Fußball als auch in Kampfsportarten in immer größer Zahl vertreten. Und das Wichtigste: Die Akzeptanz ist (weitestgehend) da und es gehört zum Glück ein Stück weit zur Normalität, dass Mädchen auch in Sportarten vertreten und erfolgreich sind, die früher eher von Jungs dominiert wurden.

Auch wenn der Wunsch nach  Gleichstellung von Mädchen und Jungen, Männern und Frauen immer noch nicht von Zufriedenheit geprägt ist und in vielen Bereichen noch zu wünschen übrig lässt, können Mädchen heute in vielen Ländern der Welt sicherlich unterstreichen, was die Sängerin mit dem Song MÄDCHEN ausdrücken wollte. Dass man gerne ein Mädchen, eine Frau sein sollte. Und dass man als Mädchen und Frau auch alles kann und darf.
 


Aber ist das überall auf der Welt so akzeptiert? Dieses starke und selbstbestimmte Weltbild von Mädchen, das du und auch ich von Mädchen und Frauen haben und von der Gleichberechtigung von Jungs und Mädchen? Ein klares NEIN kann hier nur die Antwort sein. Ohne WENN und ABER! 

Vielleicht warst du selbst schon einmal in einer Situation, in der du dich in deinem Dasein als Mädchen/Frau nicht gleichberechtigt behandelt und nicht ernstgenommen gefühlt hast oder dir die Akzeptanz fehlte?

Mich persönlich macht es zum Beispiel super wütend, wenn ich Sätze höre von anderen Leuten über Mädchen/Frauen wie „Na, wenn die sich so kleidet, dann muss sie sich ja auch nicht wundern…“. Ich selbst hatte mal eine Erfahrung bei einem Aushilfsjob auf einer Messe, wo der Männeranteil sehr hoch war. Meine Mitstreiterinnen und ich mussten uns etliche blöde Sprüche anhören, die echt unter der Gürtellinie waren. Da fühlte ich mich irgendwie beschämt und war zugleich extrem wütend, woher das kommt.

Vielleicht kennst du auch Situationen aus deinem näheren Umfeld oder aus Erzählungen, in denen Mädchen im Zweifel sogar übergangen werden in ihrem Recht auf Selbstbestimmtheit und den Satz, "ich bin froh, dass ich ein Mädchen bin", nicht mit Stolz aussprechen würden? Das sollte ABER das Recht aller Mädchen und Frauen sein! Sie sollten ihren Mut und ihre Stimme einsetzen dürfen.

 


Unrechtzustände von Mädchen und Frauen sind häufig männlich geprägt. Aber den Männern per se die Schuld zu geben, wäre falsch und unangemessen. Viele Männer und Jungen unterstützen, ermutigen und kämpfen für Mädchen- und Frauenrechte. Hier und in der ganzen Welt. So ermutigte auch der Vater von der Kinderaktivistin Malala Yousafzai seine Tochter. Sie begann im Alter von gerade mal 11 Jahren besonders gegen die Unterdrückung von Mädchen und für ihr Recht auf Schulbildung zu kämpfen und tut dies bis heute. (Links zu Videos über den Kampf von Malala Yousafzai siehe Infokasten)

Es gibt viele Männer, die sich für das Thema Gleichberechtigung stark machen. Die nicht in alten Rollenmustern verhaftet bleiben möchten und die sich für Mädchen- und Frauenrechte einsetzen.
 


Weltweit hat sich natürlich schon vieles getan, was das Thema Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen/ Frauen und Männern angeht. Besonders durch den zu würdigenden Einsatz großer Organisationen (siehe Infokasten) und vielen besonders mutigen und engagierten Mädchen und Frauen. In einigen Ländern muss das Rechtssystem/die Politik eingreifen und das soziale Gefüge sich dringend verändern. Da müssen die Personen, die Gewalt gegen Mädchen und Frauen ausüben, zur Rechenschaft gezogen werden. Da müssen Traditionen aufgebrochen und Blickwinkel verändert werden. Denn Mädchenpower und der Stolz darauf, ein Mädchen/eine Frau zu sein, sollte das Recht aller Mädchen dieser Welt sein!

Schaut man in die Welt, dann versprühen aber zum Glück viele mutige, selbstbewusste Mädchen und junge Frauen starke Mädchen-/Frauenpower in die Welt hinaus. Da wären zum Beispiel junge, engagierte UNICEF-Botschafterinnen unterstützt durch große Vorbilder wie Malala Yousafzai (Friedensnobelpreisträgerin, pakistanische Bloggerin und Kinderrechtsaktivistin), Muzoon Almellehan (jüngste UNICEF-Botschafterin), Emma Watson (bekannt aus den Harry Potter-Filmen und US-Sonderbotschafterin für Frauen- und Mädchenrechte), Prominente wie Eva Padberg (deutsche UNICEF-Botschafterin) und viele weitere bekannte Gesichter. Alle mit einem Ziel: Sie machen sich stark für Mädchenrechte in allen Lebensbereichen und geben den Mädchen ihre Stimme:

 


Das, was vielen von uns so selbstverständlich erscheint, mussten sich Mädchen und junge Frauen stark erkämpfen. Und leider gehört der Kampf noch lange nicht der Vergangenheit an.

Deshalb gibt es diesen WELTMÄDCHENTAG. An dem wir Farbe bekennen sollen. Und das ausgerechnet in Pink? JA, denn Pink verkörpert in seiner Einzigartigkeit diese Power und Kraft mutiger, stolzer Mädchen. Typische Mädchenfarbe ? NEIN! Vom süßen, lieblichen Pink ist hier nicht die Rede. Und auch nicht vom Klischee, dass Pink als Farbe für Mädchen steht. Nein, es geht um die Dominanz der Farbe. Pink ist eine starke Farbe, leuchtet auch im Dunkeln und ist teils sehr provokant! Pink fällt auf und möchte etwas mitteilen – dass Weltmädchentag ist, weil Mädchen stark sind, stark sein dürfen und selbstbestimmt leben sollen. Und genau dafür steht der Weltmädchentag. Mit der Idee und dem Start einer Kampagne „Because I am a girl“ von Plan International 2003 und der anschließenden Umsetzung der UNO ist der 11. Oktober seit 2011 ein festgesetztes Datum in der ganzen Welt, um auf die schwierige Situation von benachteiligten Mädchen überall auf der Welt aufmerksam zu machen. Die Gleichberechtigung der Geschlechter steht neben vielen anderen wichtigen Zielen im Fokus, und Plan International fordert mit der Kampagne GIRLS GET EQUAL echte Gleichberechtigung für Mädchen und Jungen. Denn es wäre schön, wenn es irgendwann auf der ganzen Welt heißt:

MIR GEHT´S SO GUT, WEIL ICH´N MÄDCHEN BIN, WEIL ICH´N MÄDCHEN BIN ...

 

Bist du stolz und froh, ein Mädchen zu sein? Mache anderen Mädchen in der Welt Mut und versprühe deine starke, selbstbewusste Mädchenpower in die Welt!!!

 

Infokasten mit Organisationen / Links / Buch- und Videotipps

 

 

  • Buchtipp: Ich bin Malala – "Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollte, weil es für das Recht auf Bildung kämpft." Christina Lamb und Malala Yousafzai. 2014, Knaur Taschenbuch.
  • Video: Malala – Ihr Recht auf Bildung / Wer ist Malala? Featurette Deutsch HD www.youtube.com
  • Dokumentation ZDF INFO: Ein Mädchen gegen die Taliban www.youtube.com


 


Bildnachweise: alle Fotos © Caro vom Jugendinformationszentrum Hamburg 

Text: Caro aus der JIZ-Redaktion

 

 

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