Semiya Şimşek war 14, als ihr Vater starb.

Ermordet vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)


Heute vor 20 Jahren, am 09. September 2000, wurde der Blumenhändler Enver Şimşek in Nürnberg ermordet. Er war das erste von 10 Opfern des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund). Die Mitglieder der terroristischen Vereinigung töteten ihre Opfer zwischen September 2000 und April 2007.   


 



Nennt die Namen der Opfer!

•    Enver Şimşek, erschossen am 9. September 2000, gestorben am 11.September 2000 in Nürnberg  
•    Abdurrahim Özüdoğru, ermordet am 13. Juni 2001 in Nürnberg  
•    Süleyman Taşköprü, ermordet am 27. Juni 2001 in Hamburg
•    Habil Kılıç, ermordet am 29. August 2001 in München  
•    Mehmet Turgut, ermordet am 25. Februar 2004 in Rostock  
•    İsmail Yaşar, ermordet am 9. Juni 2005 in Nürnberg
•    Theodoros Boulgarides,  ermordet am 15. Juni 2005 in München
•    Mehmet Kubaşik, ermordet am 4. April 2006 in Dortmund  
•    Halit Yozgat, ermordet am 6. April 2006 in Kassel
•    Michèle Kiesewetter, am 25. April 2007 wurde die 22-jährige Bereitschaftspolizistin in Heilbronn erschossen
 



"Und Beate Zschäpe hört U2."
(Lied der Band Antilopengang)

Polizei und Justiz waren mit ihren Ermittlungen lange Zeit auf dem Holzweg. Sie schlossen einen rassistischen Hintergrund vorerst aus. Daher konnten die Mitglieder des NSU Uwe, Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aus dem Untergrund heraus morden, bomben und mehrere Banken überfallen.

Im November 2011 fand die Polizei Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tot in einem ausgebrannten Wohnmobil. Beate Zschäpe stellte sich vier Tage später den Sicherheitsbehörden und wurde 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Dennoch bleiben viele Fragen im Zusammenhang mit dem NSU ungeklärt. Das Unterstützernetzwerk des NSU war groß und undurchsichtig und bis heute laufen Menschen, die viel Schuld auf sich geladen haben, frei umher.
 



Das Hamburger Opfer Süleyman Taşköprü.

Süleyman Taşköprü wurde in dem Lebensmittelladen seiner Familie in der Schützenstrasse in Hamburg Altona am 27.06.2001 erschossen. Er hinterließ eine dreijährige Tochter.
Auch hier wurde vorerst kein rassistischer Hintergrund in Betracht gezogen, sondern fast ausschließlich im familiären und migrantischen Umfeld des Opfers ermittelt.
Rassismus als Motiv sollte immer die Grundannahme in Fällen von Gewalt gegen Geflüchtete, Migrant*innen und People of Color werden, solange, bis dies eindeutig ausgeschlossen werden kann.

Zur Erinnerung und als Mahnmal gibt es in der Schützenstrasse einen Gedenkstein und die Parallelstraße wurde in Taşköprüstaße umbenannt.      


 



NSU 2.0

Seit 2018 gibt es wieder rechtsextremistische Drohmails gegen Personen des öffentlichen Lebens, die mit NSU 2.0 unterzeichnet sind. Offenbar handelt es sich um Menschen, die große Aufmerksamkeit suchen. Doch auch diese Schreiben sollte man ernst nehmen. Denn erst am 09. Oktober 2019 gab es den Anschlag in Halle, bei dem 2 Menschen starben, und auch am 19. Februar 2020 hat uns der Anschlag in Hanau, bei dem 10 Personen starben, gezeigt, dass die Gefahr von rassistisch motivierten Taten nicht endet.

Wir wollen gemeinsam den Opfern gedenken. Das Gedenken kann als ein kleiner Teil des Kampfes gegen Rassismus gesehen werden.
 



Infos

Semiya Simşek, die ihren Vater mit 14 verlor, hat über ihre Geschichte ein Buch geschrieben. Über das Leben einer türkischen Einwandererfamilie, für die dies Land längst Heimat war und deren Leben durch einen Terrorakt zerrüttet wurde.
www.rowohlt.de > Semiya Simsek

Recherche NSU-Netzwerke
www.nsu-watch.info
 

 

Übersichtskarte der Opfer bei der rechte Rand
www.der-rechte-rand.de
 


Text: Annett aus der JIZ-Redaktion

Bildnachweise:
alle Bilder © Jugendinfozentrum Hamburg

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