Der Kampf mit den Buchstaben

Zum Weltalphabetisierungstag am 08. September

 

Du kannst nicht schreiben, du kannst nicht lesen? So sieht das aus...

Ih hiesn Mijra nd alpaite in Juz. ji ken noht shfeibon ud lepen. Ih fab oich dogch di whule gönoglt ud kum iner hst kmrkt.

...und so fühlt es sich an:

Mann, bist du doof! Warst du nicht in der Schule? Hast du da nie aufgepasst? So dumm kann man doch nicht sein.
 



Als Analphabetismus bezeichnet man kulturell, bildungs- oder psychisch bedingte individuelle Defizite im Lesen oder Schreiben bis hin zu völligem Unvermögen in diesen Disziplinen. Analphebetismus hat nichts mit Dummheit zu tun, ganz im Gegenteil! Viele Analphabeten entwickeln erstaunlich kreative Fähigkeiten, um von ihrem Handicap abzulenken.

www.planet-wissen.de > Video: Zahlen zum Analphabetismus



Wie meistern Analphabeten das Leben?

In unserem Alltag lesen und schreiben wir so viel, dass uns gar nicht immer auffällt, dass fast überall gute schriftsprachliche Kenntnisse vorausgesetzt werden: Speisekarten, Straßenschilder, Verträge, Plakate, Fahrpläne, bei der Arbeit, in Geschäften usw. Nicht lesen und schreiben zu können ist in unserer Gesellschaft ein Tabu, und viele Analphabeten wollen deshalb nicht zugeben, dass sie mit dem Lesen und Schreiben Probleme haben.

Für ihren Alltag haben sie viele einfallsreiche Tricks entwickelt, wie sie um das Lesen und Schreiben herumkommen. So haben sie beispielsweise die Ausreden, ihre Lesebrille vergessen oder ihre Hand verletzt zu haben und deshalb nicht schreiben zu können. Damit sie nicht immer um Hilfe bitten müssen, fahren sie deshalb oft dieselben Wege mit Auto, Bus oder Bahn und gehen in dieselben Cafés. In ihrem gewohnten Umfeld kennen sie sich gut aus, haben einen gut ausgeprägten Orientierungssinn und kommen ohne Lesen und Schreiben zurecht. Durch diese Tricks merken die meisten Menschen in ihrem Umfeld nicht, dass dieser Mensch ein Analphabet ist. Doch wenn etwas Neues hinzukommt, beispielsweise eine Baustelle mit Umleitung oder Zugausfall, dann wird es für sie schwer.

 

 



Du brauchst Hilfe?

In Hamburg können sich Betroffene an die Volkshochschule (VHS) wenden. Sie bietet den geschätzten knapp 200.000 funktionalen Analphabeten Hamburgs in den Stadtbezirken insgesamt 35 Alphabetisierungskurse an.

Alpha-Telefon (kostenfrei und anonym)
Tel. 0800-53 33 44 55
alfa-telefon.de

Irmgard-App
Kostenfreie App für Erwachsene, die Lesen und Schreiben lernen möchten
www.appirmgard.de
 


Text: Mirja aus der JIZ-Redaktion

Bildnachweis: Buchstabenstempel © Amador Loureiro on Unsplash

 

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