Der Hamburger Jugendserver

Auf Sendung!

Vom Detektorempfänger bis zum mobilen Podcast. Zum Welttag des Radios am 13. Februar.


 

Musik, Information und Unterhaltung überall, zu jeder Zeit, für jede Stimmung und für jeden Geschmack. Alleine in Deutschland stehen Hunderte von Radiosendern zur Auswahl. Und mit den reinen Internet-Formaten kommen immer mehr Radioprogramme dazu. Hörfunk ist allgegenwärtig und für jedermann zugänglich, ob als laufendes Sendeprogramm, als Audio on demand zum Nachhören oder als Podcast. Auch selbst zur Radiomacher*in zu werden, ist immer einfacher möglich.



Laut der UNESCO ist das Radio nach wie vor das weltweit am meisten genutzte Medium, um sich über lokale, überregionale und internationale Geschehnisse zu informieren sowie sich unterhalten zu lassen.

In Deutschland nahm diese Erfolgsgeschichte vor knapp hundert Jahren ihren Lauf. Mit der "Funk-Stunde" schaltete das Berliner Vox-Haus am 29. Oktober 1923 den ersten offiziellen deutschen Radiosender auf Empfang. Zwar fand die noch recht junge technische Errungenschaft der drahtlosen Übertragung von Mitteilungen auch vorher schon Verwendung. Allerdings wurde diese vor allem für militärische und kommerzielle Zwecke eingesetzt, zum Beispiel auch für die Übermittlung von Börsendaten. Regulären öffentlichen Rundfunk mit Unterhaltungscharakter für die breite Bevölkerung gab es bis dahin in Deutschland nicht. Dieser begann erst im Oktober 1923.

Von einem Massenmedium war der Hörfunk damals aber noch weit entfernt. Der ersten Sendung lauschten nur sehr wenige Menschen über Detektorgeräte, an die Kopfhörer angeschlossen waren. Bereits damals wurde die Rundfunkgebühr eingeführt. Für die meisten Menschen waren sowohl die Empfangsgeräte als auch die Rundfunkgebühr nicht bezahlbar.





Doch innerhalb von nur wenigen Jahren nahm die Verbreitung des Radios enorm an Tempo auf. Die fortschreitende technische Entwicklung und die industrielle Produktion ermöglichten es, dass Empfangsgeräte für einen größeren Teil der Bevölkerung erschwinglich wurden. Viele Menschen umgingen auch die Rundfunkgebühr, indem sie selbst Empfangsgeräte zusammenbauten und so illegal Radio hörten. Die Anzahl der Sender nahm zu und die Sendezeiten weiteten sich aus. Familien und Nachbarschaften versammelten sich vor dem Röhrengerät und machten das Hören von Radiosendungen zu einem gemeinschaftlichen Ereignis.

Zusätzlich zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern nahmen Mitte der 1980er-Jahre private Sender den Betrieb auf, die heute den weitaus größeren Teil der Radiolandschaft ausmachen. Für viele Menschen ist das Radio inzwischen zu einem ständigen Begleiter durch den Alltag geworden, mal beiläufig eingeschaltet, mal bewusst gehört. In manchen Teilen der Welt ist das Radio nach wie vor das wichtigste Pressemedium, besonders in Ländern mit einer hohen Analphabetenrate.

Die freie Berichterstattung des Hörfunks ist in Deutschland durch das Grundgesetz geschützt (Artikel 5, Meinungs- und Pressefreiheit).



Mit dem internationalen Aktionstag World Radio Day am 13. Februar möchte die UNESCO die positive gesellschaftliche Rolle und Bedeutung des Rundfunks auf der ganzen Welt würdigen. Der Aktionstag hebt das wirkungsvolle Potenzial des Radios hervor, gesellschaftliche und menschliche Vielfalt abzubilden und zu vermitteln sowie demokratische Diskurse zu fördern. Der World Radio Day wurde erstmals am 13.2.2012 begangen. Die Wahl genau dieses Tages im Jahr hängt mit dem United Nations Radio, das am 13.2.1946 zum ersten Mal auf Sendung ging, zusammen.
 

Der World Radio Day steht jedes Jahr unter einem anderen Motto. In diesem Jahr lautet es "New World, New Radio - Evolution, Innovation, Connection.

www.worldradioday.org



Wie entsteht eigentlich eine Radiosendung? Und wie wird man Radiomoderator*in? Hier ein paar Einblicke:

Mein Tag bei Radio Hamburg - Praktikum beim Radiosender


 

Wie entsteht ein Radiobeitrag? SAEK Radiocampus 2016, Hitradio RTL und Radio Dresden


Wie wird man Radiomoderatorin? Vom MedienCampus Bayern e.V.

 


Möchtest du selbst zur Radiomacher*in werden?
Bei den folgenden Hamburger Radiosendern und -projekten kannst du dich ausprobieren:

www.tidenet.de/radio

www.radiofuechse.de

www.fsk-hh.org

Und hier noch ein Radio-Tipp: Der junge Sender FLUX FM sendet jetzt auch von Hamburg aus.

www.fluxfm.de/hamburg



Radio als Propagandamedium

Der Hörfunk bot nicht immer diese Vielfalt an Angeboten und Möglichkeiten der Beteiligung, wie es heute der Fall ist. In Ländern mit autoritären Staatsregimen gibt es nach wie vor keine freie Radiolandschaft.

Schon in den Anfängen der Radiotechnik wurde das immense Potenzial der Meinungsbildung über den Rundfunk erkannt. Angetrieben von Demokratisierungsgedanken gab es bereits früh Strömungen, die in der neuen Medientechnik einen Weg sahen, der breiten Bevölkerung den Zugang zu kultureller und politischer Bildung zu vereinfachen bzw. überhaupt erst zu ermöglichen.
Andererseits nahmen totalitäre Staatsregime den Hörfunk unter ihre Kontrolle, um die Massen mit gezielter Propaganda ideologisch zu beeinflussen. Mit dieser Absicht trieb unter anderem das nationalsozialistische Regime unter Hitler die Verbreitung von Radiogeräten, mit dem sogenannten Volksempfänger, breitflächig voran. Ausgewählte Unterhaltungsendungen in Kombination mit schöngefärbter Kriegspropaganda sollten die Menschen vom harten Alltag ablenken sowie ideologisch auf Kurs halten.


Ein anderes Beispiel für die ideologische und rassistische Instrumentalisierung des Massenmediums Radio ist der Genozid in Ruanda 1994. Innerhalb von nur drei Monaten kamen etwa 800.000 Menschen, die zur Bevölkerungsminderheit der Tutsi zählten, ums Leben, ermordert von radikalen Angehörigen der Hutu-Mehrheitsbevölkerung. Der ruandische, private Radiosender RTLM spielte dabei eine anheizende Rolle: Die Moderator*innen riefen aktiv zum Mord auf.

Das Theaterstück und Hörspiel "Hate Radio" (Altersfreigabe: ab 16 J.) setzt sich mit der gefährlichen Wirkmacht, die das Radio als Massenmedium bei dem Genozid in Ruanda entfaltet hat, eindringlich auseinander.

international-institute.de > Hate Radio

www.dw.com > Der Theaterreggiseur Milo Rau über sein Stück "Hate Radio"

www.bpb.de > der Völkermord in Ruanda
 


 

 


Bildnachweise: ON AIR mit Radiomikrofon © Fringer Cat on Unsplash; altes Radio/Röhrengerät © JIZ Hamburg; ON AIR Leuchtschrift © Michi S auf Pixabay

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